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Neuigkeiten

02. August 2016

Einfach mal wieder fliegen!


Moritz H. und ich (Moritz B.) hatten wirklich viel Zeit und waren ziemlich frustriert von der diesjährigen miserablen Wetterlage. So frustriert, dass wir beschlossen, mal wieder die Flugzeuge fertig zu machen, die Anhänger anzuhängen und dem vermeintlich guten Wetter hinterher zu fahren.

Also fingen wir an zu träumen: „Lüsse- das wär mal wieder was! Über Brandenburg sausen und entspannt im Flachland schöne Gegenden entdecken. Vielleicht nach Polen? Oder doch lieber den Norden erkunden und die Müritz anschauen?

 Oh ja, Skandinavien-Feeling in Deutschland! Bei gutem Wetter ja auch ohne Rückholer kein Problem. Und schließlich ist es ja gut angesagt!" Abfahrt: 20 Uhr (zu spät). Ankunft 0.45 Uhr in Lüsse – Schlafen ca. um 1.15 Uhr ( viel zu spät)- Wecker um 07.00 (naja......) Aber egal! Die Sonne schien, am Himmel zeigten sich um 8.30 Uhr die ersten kleinen Cumulanten

Halb 10 Uhr: Die ersten starteten an der Winde.

Lüsse-Stendal-Prenzlau-Cottbus- Lüsse- (ca. 550 km) Dank ein paar netten Tipps der Fliegekameraden vor Ort ging es dann zügig los. Schnell noch eine mögliche „Quatsch-Frequenz“ zugerufen. Und Los! (07:55 Uhr UTC)10 Minuten noch bis zum Start: Wir hatten uns immer noch nicht entschieden welche Strecke wir fliegen. Jan hatte uns doch Strecken ausgearbeitet. Jetzt musste eine Entscheidung her: „Auf geht’s! Wann kann man schon mal um Berlin fliegen!“

Basishöhe um die 1200 Meter MSL, Steigwerte so 1-2 Meter. Also flogen wir vorsichtig los. Welche Funk- Frequenz war das jetzt noch einmal? Mist! Kein Funkkontakt! Trotzdem konnten wir langsam in Richtung Nordwesten lostapern. Immer den anderen im Blick, vorsichtig vorfliegend erreichten wir zunächst Stendal und flogen dann entlang der nördlichen Luftraumgrenze Berlins. Die Ostsee funkelte ganz am Horizont, die Müritz und weiteren unzähligen Seen der Mecklenburger-Seenplatte versüßten den Flug

Wunderbar! Deswegen waren wir dort!

Das Wetter allerdings zeigte sich deutlich schwieriger als angesagt. Die Steigwerte eher so 1-1,5 m/s als 2 m/s und die Basis stieg auch nicht. Zudem trocknete es zunächst ab und weiter östlich war deutlich eine Abschirmung zu erkennen. Direkt vor der Abschirmung präsentierten sich jedoch schöne Entwicklungen. Im Funk redeten die ersten von Umdrehen, vom Verkürzen und doch nur in den Westen fliegen und frustrierenden Bärten. Da Moritz und ich uns jedoch immer noch nicht verständigen konnten, fand auch keine konstruktive Kursabsprache statt. Daher hielten an unserem Vorhaben fest und nahmen die Wende in Prenzlau mit Kurs nach Süden entlang der östlichen Luftraumgrenze Berlins.

Plötzlich eine bekannte Stimme im Funk: Moritz H. in der O3 ! Wir hatten eine gemeinsame Frequenz! Allerdings war kurz drauf bei Fürstenwalde an der Spree mein Flug das erste Mal fast zuende. „Eingeklemmt" zwischen Luftraum Berlin und hereinziehender Abdeckung begannen für mich einige Stunden des Feingewindes, frustrierten neu-suchens von Aufwinden und Abbrechen des Steigens aufgrund der Höhenbegrenzung . Moritz H. machte es dort geschickter und konnte sogar noch die Wende bei Cottbus im Fokus behalten. Leider ließ er sich von der hinterhältigen Optik des Spreewaldes verführen und landete dort dann auch alsbald in der Nähe von Lübbenau. – Mist!

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich in ca. 400m Höhe 15km vor der „Cargolifterhalle (Tropical Island)" bei Brandt. Dort kam ich ein paar Minuten später in 200m an und inspizierte vorsichtig die Gegebenheiten. Einmal den Platz Überflogen- Landeort ausgesucht- Gegenanflug........Moment....es hob! Nur etwas aber immerhin- also noch einmal probieren! Mühsam ging es auf 400m dann war der Bart wieder weg. Neuer Versuch! Wieder trug es.....2 andere Segelflieger kamen 200m über mir an, es trug nicht mehr, sie flogen gegen den Wind vor. Etwa 5km entfernt stand etwas Sonne im Wald und es waren auch Felder von dort zu erreichen. Zu dritt könnte die Suche ja erfolgreich sein. Also hinterher! Plötzlich schmiss der eine von den Beiden seinen Turbo an. Bei mir trug es wieder und ich konnte einkreisen. Fühlte sich gut an. Endlich! Der Andere war leider inzwischen noch einmal 100m tiefer und musste auf einen der Äcker gehen....

Inzwischen war es 18 Uhr, es waren 1600m Basis, 25km/h Gegenwind und ca. 65km noch zu fliegen. Auf Kurs waren keine klaren Entwicklungen mehr zu erkennen. Ganz vorsichtig begann ich den Endanflug. Die letzten 20km musste jede Waldkante abgeflogen, jeder noch zu minimale Bart genommen werden. Um kurz vor 19 Uhr kam ich mit Direktlandung in Lüsse an. Glück gehabt!!! Im direkten Platzbereich waren fast nur Rapsfelder. Das hätte nicht gut ausgehen müssen! Mit Hilfe der Lüsser konnte der Ventus schnell verstaut werden. Der Tempomat und leere Autobahnen machten die Strecke in den Spreewald dann zum Glück sehr entspannt. Moritz H. hatte die Ls-4 auf einen wunderbaren Stoppelacker gesetzt (eine Rarität zu der Jahreszeit) und wir konnten noch in der Dämmerung abbauen. Der längste Tag des Jahres hatte viele Vorteile! An eine Heimfahrt war natürlich nicht mehr zu denken. Mit Bier und Bulli konnten wir auch auf dem Acker zu schlafen und die Heimreise über Lüsse nach Oerlinghausen am nächsten Tag antreten.

Resultat: 2 sehr interessante, spannende und auch schöne Flüge: 8h,488km und 6h, 443km. Wir haben beide sehr viel gelernt! Denn Fehler hatten wir genügend gemacht: Wir waren zu spät losgefahren. Hatten unsere Strecken zu spät geplant und die Absprachen vor dem Flug war von uns beiden mangelhaft. Vor dem Flug nahmen wir uns nicht die Zeit noch ein sinnvolles Briefing durchzuführen. Im Verlauf des Fluges fehlte uns dann auch die Flexibiliät im Kopf um die Strecke wetterangemessen zu verändern. In meinem Fall war eine Aussenlandung östlich Berlins durchaus möglich und wäre nicht auf einem Flugplatz gewesen. Dementsprechend hätte man das Flugzeug alleine auf dem Acker lassen müssen um sich selbst zurück zu holen. Durchaus machbar, aber mit Vereinsmaterial nicht gerade elegant. Anspruchsvoll wurde es ausserdem durch die eingeschränkten Aussenlandemögichkeiten. Getreide und Raps waren optisch nicht zu unterscheiden und eine Landung im Raps stellt so gut wie keine Option dar.